EISENBERGER

Über den Film

Synopsis

Kunst ist nur eine Etikette ohne jede Relevanz, sagt der österreichische Künstler Christian Eisenberger. Mit 40 Jahren hat er über 45'000 Werke geschaffen. Tausende davon liess er auf Strassen und Plätzen stehen. Mit seiner ausufernden Produktion entzieht sich Christian Eisenberger der Kontrolle durch Galerien, Kunstmessen und Museen. In einem Milieu, das mit allen Mitteln um Aufmerksamkeit und Anerkennung kämpft, stellt Christian Eisenberger die Frage immer wieder: Worin besteht die künstlerische Freiheit tatsächlich? Und braucht es dazu überhaupt noch Künstler?

Protagonisten

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Christian Eisenberger

Der österreichische Künstler zur Frage: Was ist Kunst?

«Kunst ist eine Ausrede der Gesellschaft, wir haben eh die Kunst, wir haben eh die Religion. Wir haben eh diese Schublade, die Schublade und die Schublade. Aber jeder will ja die Schubladen sprengen.»

http://christianeisenberger.com

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Hermann Glettler, Bischof in Innsbruck/Tirol

«Er hat einmal den Ausspruch gemacht: "Ich möchte hier 40 Tage bewusst alles versäumen". Es ist eine Gegenposition zum Heischen nach Event und Erlebnis, in dem wir alle drinnen sind und auch Getriebene sind. Er hat diese Aktion nicht als religiöse Aktion angelegt, trotzdem hat es automatisch eine sehr grosse spirituelle Tiefe bekommen. Stellvertretend für die vielen, die irgendwo herumlaufen, sperrt sich hier einer ein.»

Hermann Glettler ist seit 2017 Bischof von Innsbruck. Von 1997 bis 2017 amtete er als Pfarrer in der Pfarre Graz St. Andrä. Hinter der dortigen Kirche konnte der junge Christian Eisenberger einen Unterstand als Freiluft-Atelier nutzen. 2007 verbrachte Christian Eisenberger 40 Tage schweigend und fastend auf der Kirchenempore – ein Erlebnis, das ihn zutiefst geprägt hat und welches er später auf der Art Cologne mit einer Auferstehungsperformance erweiterte.  

http://www.andrae-kunst.org/kunst.html

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Philipp Teuchtler, Sammler

«Wenn etwas wertvoll ist, wird es binnen Stunden hinter Plexiglas versteckt oder abmontiert. Ausser bei den Kartonfiguren vom Christian. Da ist entweder die Müllabfuhr gekommen oder jemand hat die Köpfe abgerissen. Man hat gewusst, das bleibt nicht lange stehen. Innert Stunden werden die Sachen verschwinden.»

Philipp Teuchtler ist Schallplattenverkäufer in Wien. Während seine Mutter Kochbücher hortete und sein Vater Kaffeemaschinen, begann Philipp Teuchtler Street-Art zu sammeln. Aus diesem Sammeltrieb ist eine Leidenschaft mit einer umfangreichen Sammlung gewachsen. Philipp Teuchtler lebt in ständiger Sorge, dass ein Wasserschaden oder Schimmelbefall seinen Schatz vernichten könnte. Hinter jedem Werk steht eine Geschichte, ein frühmorgendlicher Streifzug, ein schlauer Tausch, die Erkenntnis, dass ein Objekt, welches kein Mensch würdigt, in Wahrheit bereits ein Kunstwerk ist.  

http://www.schallplatten-ankauf-wien.com

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Christine Eisenberger, Mutter

«Der Christian war immer draussen unterwegs. Im Bach, im Wald. Der braucht die Natur. Er ist ein Naturmensch.»

Christian Eisenbergers Eltern Christine Eisenberger und Willi Eisenberger betreiben in Semriach  einen kleinen Bauernhof. Früher bewirtete die Mutter dort Feriengäste, während der Vater in der nahen Papierfabrik beschäftigt war, wo Christian Eisenberger selbst eine Schlosserlehre absolvierte. Auf den Wiesen und im Wald neben dem Bauernhof erarbeitet Christian Eisenberger unter Ausschluss der Öffentlichkeit unzählige Installationen und Performances.  

http://www.semriach.at

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Dr. Grete Müller, Kunsthistorikerin

«Ich hab mir früher sehr viele Gedanken gemacht, was Kunst ist, aber letztlich habe ich aufgegeben darüber nachzudenken, weil es unendlich viele Antworten gibt. Ich bin dazu übergegangen, das für mich als Kunst zu sehen, was mich beschäftigt und mir einen Kunstgenuss bereitet.»

Dr. Grete Müller ist promovierte Kunsthistorikerin und Kunstkritikerin. Neben regelmäßigen Veröffentlichungen in Art, Parnass etc. organisiert Grete Müller interdisziplinäre Workshops, wie „Interdisziplinäres Symposium für Künstler und Wissenschaftler im Rahmen des Promotionsprogramms ArtPRO“, Universität Hannover. Grete Müller lebt als freie Kuratorin in Düsseldorf und Maribor.

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Ursula Krinzinger, Galeristin

«Diese Spaltung, die ja die meisten Künstler haben – hier die Arbeit, dort der Kunst­markt – das ist eigentlich fürchterlich. Weil es geht um Geld, es geht um Wertigkeiten, tolle Sammler und oberfläch­liche Investoren. Aber es braucht den Handel und den Verkauf, sonst kannst du die Künstler nicht weiterbringen.»

Ursula Krinzinger betreibt ihre Galerie an mehreren Standorten in Wien und unterhält Künstler-Residenzen im Ausland. Mit ihrem Team ist sie rund um den Globus auf allen relevanten Kunstmessen präsent. Sie vertritt Christian Eisenberger seit 2013 und koordiniert seine Ausstellungen überall, wo Christian Eisenberger ausstellt.  

http://www.galerie-krinzinger.at

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Sandro Droschl, Kurator

«Christian Eisenbergers Arbeit und Persönlichkeit lebt vom Willen und Gestus des nahezu perma­nenten Produzierens. Darin liegt aber auch eine Gefahr, weil das Verfolgen klarer künstlerischer Strategien darunter leiden kann.»

Sandro Droschl hat diverse kulturelle Projekte kuratiert, unter anderem für den Steirischen Herbst, das Kunsthaus Graz, das Filmfestival Diagonale und das Museumsquartiert Wien. Als Direktor das Künstlerhauses Graz konfrontierte er 2014 mit der Ausstellung "André Butzer/Christian Eisenberger" zwei sehr gegensätzliche Künstler und konzipierte die erste grosse Museumsaustellung mit Christian Eisenberger.

https://www.km-k.at

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Philipp Konzett, Galerist/Kunsthändler

«Ich bin der Meinung, dass Menschen, auch wenn sie behaupten, sich nicht für Kunst zu interes­sieren, sich sehr wohl in ihrem Leben mit Kunst auseinandersetzen. Sogar Kochen kann Kunst sein., Kunst ist überhaupt mit dem Leben verbunden.»

Philipp Konzett ist Kunsthändler und Galerist in Wien. Er verfügt über eine grosse Sammlung zum Wiener Aktionismus und Franz West. Mit seiner Galerie hat er Christian Eisenberger von 2008 bis 2014 vertreten.  

http://www.artkonzett.com

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Brigitte Kowanz, Künstlerin

«Es reicht ganz sicher nicht, gute Kunst zu machen. Es liegt eindeutig auch am Netzwerk, das ein Künstler hat – oder nicht hat. Und natürlich auch am Rezipient. Die Künstlerpersönlichkeit setzt sich aus sehr vielen Personen zusammen, die da mitwirken, damit eine Künstlerkarriere aufgehen kann.»

Brigitte Kowanz ist Künstlerin und Professorin für Transmediale Kunst an der Universität für angewandte Kunst Wien. Im Zentrum ihrer Arbeit steht seit den 80er Jahren die Untersuchung von Raum und Licht. Zusammen mit Erwin Wurm hat sie Österreich 2017 an der Kunstbiennale in Venedig repräsentiert.  

http://kowanz.com/de

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Julian Riess, Unternehmer

«Kunst führt zu einer neuen Grenze der Wahrnehmung. Je mehr man sich damit beschäftigt, umso weiter kann man sehen. Das ist spannend. Es gibt keine Grenze.»

Julian Riess ist Mitinhaber der traditionsreichen Pfannenfabrik Riess in Ybbsitz / Österreich. Regelmässig lädt diese Manufaktur Design- und Kunstschaffende ein, um moderne Produktelinien zu entwerfen, so auch Christian Eisenberger. Während zweier Aufenthalte in der Riess-Fabrik konzentrierte dieser sich dabei auf jene Prozesse, die für das Riess-Personal tabu sind: Dellen auf Töpfen, Absplitterungen in der Glasur, Fingerabdrücke, Hammerschläge. Nach Eisenbergers Intervention wurden die von ihm bearbeiteten Objekte vom Riess-Personal mit der gewohnten Sorgfalt im standardisierten Fabrikationsprozess fertig verarbeitet – als ob es sich um normale Töpfe handeln würde.  

http://www.riess.at

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Gernot Schulz, Sammler

«Jemand der Christian Eisenberger nicht kennt, wird wahrscheinlich verstört sein von der Dichte die in seinem Atelier zu finden ist, an Skulpturen, Kunstwerken, alltäglichen Dingen. Es ist nicht trennbar wo er lebt, wo er arbeitet, schläft oder kocht. Ich kenne Leute, die hin gegangen sind und gesagt haben: Das ist mir zu viel, zu voll, ich weiss nicht was ich da jetzt gesehen habe.»

Gernot Schulz ist Ingenieur und Kunstsammler in Wien. Er hat wiederholt Abbruchliegenschaften an Künstler aus Christian Eisenbergers Umfeld vermittelt, damit diese dort günstige Ateliers einrichten können. Gernot Schulz unterhält die Initiative Kunstnetzwerk, welche verschiedene Schauräume in Wien und Krems betreibt.  

http://kunstnetzwerk.org

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Hercli Bundi, Regie

Hercli Bundi ist der Regisseur im Hintergrund. In gewissen Situation tritt er allerdings auch selbst in Aktion. Oft richtet sich Christian Eisenberger vor laufender Kamera direkt an den Regisseur. Immer wieder kommt es dabei zum Dialog zwischen dem Beobachteteten und dem Beobachtenden.  

Eisenberger: «Und du weisst was Kunst ist? Kannst du mir das sagen?»

Bundi: «Ja sicher. Wenn du es einrahmst, auf die Wand hängst und darunter schlafen kannst, ohne in Angststarre ständig aufzuwachen, dann ist es Kunst. Und wenn ich denke, ich würd das auch gerne machen, aber ich trau's mir nicht zu, ist es auch Kunst.

Eisenberger: Aha, interessant, tolle Erklärung!»

http://www.mirafilm.ch

Regie

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Hercli Bundi wurde 1964 in Glarus geboren. Von 1988 bis 1992 studierte er Filmregie an der Ecole cantonale d'art in Lausanne. 2002 gründete er mit Vadim Jendreyko die Produktionsfirma Mira Film. Von 2007 bis 2010 wirkte er gleichzeitig an der Zürcher Hochschule der Künste als Produktionsleiter im Studiengang Master of Arts in Film. Hercli Bundi blickt als Regisseur auf die Schnittstelle von Gesellschaft und Kunst. In seinen Filmen mit Christian Eisenberger («Eisenberger – Kunst muss schön sein, sagt der Frosch zur Fliege» 2018), Ai Weiwei («The House in the Park», 2010) oder Not Vital («Not Vital – half Man, half Animal», 2000) findet er einen persönlichen und kritischen Zugang zu eigenwilligen Protagonisten und eröffnet neue Perspektiven auf deren Schaffen. Als Produzent und Dramaturg begeistert er sich für Filme, die mit Liebe zur cineastischen Form ein breites Publikum ansprechen möchten.

Mehr zum Regisseur HIER

Eisenberger

«Können tut natürlich ein jeder, was die Künstler machen. Aber es macht's nicht ein jeder und das ist halt der kleine Unterschied. Christian Eisenberger»

Directors's Note

«Ist das jetzt Kunst oder Müll?»

Filmthema

«Kunst ist nur eine Etikette ohne jede Relevanz»

Was ist Kunst

«Kunst ist das, was die Künstler machen. Brigitte Kowanz»

Art Quotes

«Kunst wäscht den Staub des Alltag von der Seele. Pablo Picasso»

Weitere Beteiligte

«Grosse Werke voller Humor und Empathie. Hendrik Bündge»

Technische Details

Resolution
HD
Format
DCP
Länge
94min
Seitenverhältnis
16:9
Farbe
Ja
Jahr
2018
Original Sprache
Deutsch
Untertitel
Englisch
Land
Schweiz
ISAN
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Credits

Mit

Christian Eisenberger

Und

Sandro Droschl, Brigitte Kowanz, Philipp Konzett, Ursula Krinzinger, Gernot Schulz, Christine Eisenberger, Willi Eisenberger, Bischof Hermann Glettler, Julian Riess, Grete Müller, Philipp Teuchtler, Manfred Wiplinger, Joachim Vötter, Johann Loibl, Peter Kozek, Mathias Lehner, Raimo Rudi Rumpler, Hieronymus

Buch & Regie

Hercli Bundi

Montage

Nela Märki

Kamera

Adrian Stähli

Aurelio Buchwalder

Christian Eisenberger

Hercli Bundi

Ton

Patrick Becker

Mathias Hefel

Hercli Bundi

Musik

Daniel Almada

Sound Design

Daniel Almada

Dominik Avenwedde

Nela Märki

Produzenten

Peter Zwierko

Associate Producer

Hercli Bundi

Vadim Jendreyko

Marketing und Outreach

Susanne Guggenberger

Online, DCP, Lichtbestimmung

Andromeda Film

Patrick Lindenmaier

Mastering

Domenik Avenwedde

In Koproduktion mit

SRF - Schweizer Radio und Fernsehen

Redaktion SRF

Urs Augstburger

Denise Chervet

Mit finanzieller Unterstützung von

Bundesamt für Kultur

Fachausschuss Film und Medienkunst BS/BL

Zürcher Filmstiftung

Kulturfonds Suissimage

UBS Kulturstiftung

Kulturförderung Kanton Graubünden

Fondation Suisa